Dein Wille geschehe (3. Advent)

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So lange her—noch relevant? Man sagt manchmal, etwas ist so lange her, dass es schon fast nicht mehr wahr ist. Das ist eine verräterische Aussage. Denn sie legt offen, dass nicht geglaubt wird, dass es irgend etwas gibt, was Bestand hat.   Die biblischen Figuren hier sind mittlerweile annähernd 2000 Jahre alt—haben sie uns heute eigentlich noch etwas zu sagen? Passen sie eigentlich noch in unsere Zeit? Sind sie nicht vielmehr finstere Anachronismen, Relikte einer vergangenen Zeit, die anders dachte, redete und handelte als unsere?   Solche Fragen sind berechtigt. Sie geben Anlass zur Sorge—sie drücken die Angst aus, dass das, was die bekannten Vorbilder damals durchgetragen hat, heute nicht mehr verbindlich sein könnte, nicht mehr standhalten würde.   Sind Maria und Josef mit ihrem „blinden“ Glauben (einen Engel haben sie wohl gesehen—aber wer sagt ihnen, dass man ihm trauen kann? Und Josef hat ihn ja schliesslich „nur“ geträumt…) eigentlich noch handlungsfähige Vorbilder? Handelt es sich bei ihnen nicht um Figuren einer vergangenen Zeit, die man belächeln und bestaunen, aber nicht mehr leben kann, Figuren wie aus einem Märchen?   Der jüngste Spross der Leinwandepen des Vergnügungsgiganten Disney diskutiert genau das—was passiert, wenn Märchenfiguren urplötzlich und Knall auf Fall in unsere Zeit hineinversetzt und hart mit ihr konfrontiert werden. Ein vergnüglicher Familienspass auf der einen Seite—für uns auch eine offene Frage: Wie realitätsnah sind die Ideale unserer biblischen Figuren?   Im Film gibt es, wie in jedem guten Märchen, die wunderschöne, innerlich wie äusserlich wundervoll strahlende Prinzessin. Und es fehlt auch die böse Hexe nicht—nur hat diese sich dieses Mal etwas besonders Gemeines ausgedacht. Im Gegensatz zum üblichen Repertoire von vergifteten Äpfeln, süss verzierten Lebkuchengefängnissen und zornigen Zaubersprüchen tut sie dieses Mal etwas weit Perfideres: Sie gibt der guten Prinzessin im ungeeignetsten Moment einen Schubs, und diese landet urplötzlich in unserer Gegenwart, dem „Land ohne Happy End“, im New York des 21. Jahrhunderts, am Times Square. Nachdem sie dort fast von den Taxis überfahren worden ist, macht sie sich auf einen tränen– und zwerchfellerschütternde Reise zurück in ihre Heimat, die kein Märchenklischee auslässt, das nicht derb eins aufs Auge bekommt.   Eine haarsträubende Geschichte? Vielleicht. Aber längst nicht so haarsträubend wie die Frage, ob ein Mensch mit den moralischen und emotionalen Qualitäten von Maria heute eigentlich noch lebensfähig wäre. Wie weit würde man mit dieser Einstellung heute noch kommen? Wir leben im Zeitalter der sprichwörtlichen Ellenbogengesellschaft, wo jeder sich selbst der nächste ist und eine junge Musikern jüngst Erfolge feierte, deren Konzept mit darin bestand, das bisher nur als Schimpfwort verwendete „Bitch“ (dt. vom Ton her etwa vgl. mit: „gemeine Zicke“) positiv zu füllen: „Eine Frau, die sich nimmt, was sie will.“ Das trifft den Zeitgeist! (Auf ein Bild verzichten wir aus naheliegenden Gründen ;-) Ihr Album heisst dann auch passend „Da Real World“ (engl. Slang für: „Die wirkliche Welt“). Keine Frage, Maria ist ein Schlag ins Gesicht für das zeitgenössisch dominante Leitbild der hemmungslos egoistischen Powerfrau. Ihre Werte von Hingabe und Glauben wirken so schwach und zerbrechlich.   Hinter der Frage, wie realistisch die Werte unserer Vorbilder sind, verbirgt sich aber noch eine andere, weit prekärere: Wenn schon unsere Vorbilder lächerlich sind, was sind dann wir? Sind wir mit unseren Werten von Glaube, Vertrauen und Hingabe gegenüber Gott und seinem Plan in unserer Zeit genauso deplaziert wie der Märchenheld, den es auf seiner Suche nach der verlorenen Prinzessin ebenfalls in unsere moderne Zeit verschlägt? Unser Glaube muss in der heutigen Zeit ankommen. Tragen wir nicht noch viel zu viele antiquierte Bilder mit uns herum? Solche Bilder sind—mit Verlaub—gelogen. Man könnte dieses hier z.B. eigentlich besser „Der Engel erscheint der jungen Adligen“ nennen—rotes Gewand, Lesepult und Buch (!) weisen eindeutig auf eine junge Frau nobler Herkunft hin.   (Anm. am Rande: Ausserdem kann man sich fragen, ob der Engel nicht zu harmlos dargestellt ist—Daniel fiel in Ohnmacht, als er Gabriel begegnete (Dan 8,18); weiter wird Gabriel ausdrücklich (und sei es nur seiner Erscheinung nach) als „Mann“ bezeichnet (Dan 9,21) - das sollte einem bei gewissen Bildern mit weiblichen Darstellungen zu denken geben).   Und auch wenn man einwenden mag, der Maler habe gerade mit diesem Bild die Ereignisse in seine eigene Zeit transportieren wollen—für uns ist es trotzdem irritierend, denn wenn wir uns das Erklärte verständlich machen wollen, müssen wir unsere eigenen Bilder schaffen!   Wie könnte also eine ähnlich glaubensvolle Haltung, wie Maria sie eingenommen hat, heute aussehen? Bemühen wir nicht gleich Mutter Theresa, sondern denken wir lieber an jemand, der in normalen bürgerlichen Verhältnissen lebt, wie Maria es auch tat. Natürlich wird kein „zweiter Jesus“ geboren (um Himmels willen!), aber um was es bei Marias Grundhaltung geht, ist doch folgendes: Sie war bereit, unter den unmöglichsten Umständen Gottes Führung und Verheissung zu folgen.   „Unmöglich“ heisst dabei: Die Ankündigung Gottes hätte ihr menschlich gesprochen Tod und Verachtung bringen können und bezog sich überdies auf eine scheinbare Undenkbarkeit. Als plötzlich schwangere, aber noch nicht verheiratete Frau hätte sie im schlimmsten Fall als Ehebrecherin denunziert und gesteinigt werden können, im „milderen“ hätte ihr Mann sie verlassen und einem Leben im Elend preisgeben können, denn niemand hätte die „gefallene“ Frau noch geheiratet (alle Wahrscheinlichkeit nach).   Und „undenkbar“ war natürlich schon die Jungfrauengeburt als solche. (Moderne liberale Wortspiele, dass „Jungfrau“ in diesem Zusammenhang irgend etwas Anderes als körperliche Unberührtheit meint, sind nichtige Spiegelgefechte: Luk 1,34 vermerkt ausdrücklich, dass sie „von keinem Mann weiss.“)   Maria legte ihr Leben vertrauend in Gottes Hände—sie vertraute darauf, dass Gott alles kontrollieren würde: · Das Herz ihres Mannes bewegen, bei ihr zu bleiben · Sie von der gesellschaftlichen Verachtung fernhalten · Das massive Wunder an ihrem eigenen Körper tun Mehr Hingabe und Vertrauen zeigen als Maria kann man nicht.   Übrigens ist sie nach Daniel die einzige Person in der Bibel, zu der namentlich Gabriel geschickt wird. Und ganz ähnlich wie bei Daniel („denn du bist von Gott geliebt“ Dan 9,23) wird auch ihr zugesagt: „du hast Gnade bei Gott gefunden.“ (Luk 1,30)   Wie also lässt sich ihre Haltung auf heute übertragen? Die Werte haben wir genannt: Glaube und Vertrauen auf Gottes Fürsorge angesichts einer scheinbar ausweglosen und gefährlichen Situation.   Die Beispiele können wir sicher an verschiedenen Stellen finden. Manche davon können ähnlich anstössig erscheinen wie damals die Geburt im Stall vielen... Denken wir etwa an folgendes: · Glaube und Vertrauen einer jungen Frau, die sich in einer hoffnungslosen Situation sieht mit der Schwangerschaft bei ihrem Kind: Sie ist allein, der Vater ist verschwunden, wirtschaftlich sieht sie kein Durchkommen. Sie wird unter Druck gesetzt, ihr Kind abtreiben zu lassen—und bringt es doch zur Welt. · Glaube und Vertrauen einer Ehefrau, die, kürzlich bekehrt, keinen dringenderen Wunsch hat, als dass ihr Mann auch zum Glauben kommen möchte. Sie kann sich ihres inneren Dranges, heftig auf ihn einzureden, zu streiten und Druck auszuüben, kaum erwehren. Aber sie erkennt, das Druck nur Gegendruck erzeugt, überwindet sich und folgt dem biblischen Weg, dass die Männer „durch das Leben ihrer Frauen ohne Worte gewonnen“ (1. Petr 3,1) werden sollen, indem sie durch deren verändertes Wesen eingenommen werden. · Glaube und Vertrauen einer Ehefrau, die angesichts ihres lügnerischen, egoistischen und gefühlskalten Mannes menschlich keinerlei Chance sieht, je mit ihm in auch nur entfernt zufriedenstellender Weise zusammenleben zu können, und auf die innerer und äusserer Druck besteht, sich scheiden zu lassen. Stattdessen (die Bibel ist in diesem Punkt ganz hart: Es gibt keinen Grund zur Scheidung ausser bei den Ausnahmen in Mat 19,9 und 1. Kor 7,15. Wer das anstössig findet, ist aber wenigstens in „guter Gesellschaft“, das ging nämlich schon den ersten Jüngern so, Mat 19,10.) entscheidet sie sich, darauf zu vertrauen, dass Gott „des Königs … wie Wasserbäche … lenkt“ (Spr 21,1), und daher auch das Unmögliche an ihrem Mann tun kann—und ihr darüber hinaus noch neben dem „Splitter in … [ihres] Bruders Auge“ auch den „Balken in …[ihrem] Auge“ (Mat 7,3). Sie entschliesst sich, zu bleiben. · Glaube und Vertrauen von Ehefrauen, die bei einer schwierigen Entscheidung in Anspruch nehmen, dass Gott Strukturen geschaffen hat, die er erhalten möchte und denjenigen segnet, der sich an sie hält. In diesem Sinne überlassen sie ihrem Mann bei einer schwierig zu klärenden Frage die Führung, indem sie „ihre Hoffnung auf Gott setz[t]en und sich ihren Männern unter-ordn[et]en, wie Sara Abraham gehorsam war und ihn Herr nannte“ (1. Petr 3,5.6). Das erfordert eine ganze Menge Glauben und Beherrschung (und ist mit einigen caveats versehen, die zu erörtern hier den Rahmen sprengen würden, etwa, dass es sich dabei nicht um substantielle Glaubensdinge handeln, kein Verbrechen beinhalten darf und der Vollbesitz der geistigen Kräfte vorausgesetzt ist), denn im Gegensatz zu Gott persönlich sind ihre Männer nicht unfehlbar, aber das wusste Petrus auch... · Glaube und Vertrauen einer alten Frau mit viel zu geringer Rente, dass Gott sie durchtragen und ernähren wird (ähnlich 1. Tim 5,5).   Hier merken wir schon, dass wir ein paar Mal schlucken müssen, denn einige dieser Dinge klingen und sind recht „happig“. Wir spüren quasi, wie es anfängt, weh zu tun, wenn Glaube in dieser Hinsicht praktisch wird, dann wird es nämlich herausfordernd.   Und vergessen wir nicht—was Maria anschliessend noch sagte, birgt revolutionäres Potential. Und zwar bis dahin gehend, dass ihre folgenden Worte (das sog. „Magnifikat“, von lat. „erheben, gross machen“, in Anlehnung an Luk 1,46) zu folgender kuriosen Situation führten. Bevor Indien seine Unabhängigkeit gewann, lebte es unter britischer Oberhoheit. Bischoff William Temple von der Anglikanischen Kirche warnte seine Missionare, dort das Magnifikat nicht öffentlich vorzulesen—aus Angst, es könnte so (im wörtlichen Sinne) aufputschend wirken, dass es eine Revolution auslösen würde!   Denken wir also nicht, Marias ganzes Wesen habe sich in Zartheit und Zurückhaltung erschöpft—erfüllt mit dem Heiligen Geist (was inhaltlich wie in Luk 1,41 ausdrücklich von Elisabeth gesagt auch bei ihr vorauszusetzen ist) war sie fähig zu einer weltbewegenden Prophezeiung.   Versteckte Stärke Die grösste Kraft liegt im Vertrauen—nicht darauf, sich selbst um jeden Preis durchzusetzen, sondern darin, zu wissen, was überhaupt durchsetzenswert ist!   Am Ende nur zwei Gruppen Sich Gottes Willen anzuvertrauen, ist mit die Kernqualität christlichen Glaubens. Vergessen wir nicht: Am Ende der Zeiten wird es nur zwei Gruppen von Menschen geben. Die einen, die zu Gott sagen: „Dein Wille geschehe“ und die Ewigkeit bei ihm verbringen — und die anderen, zu denen Gott sagt: „Dein Wille geschehe“ — und die sie ohne ihn verbringen.   Weihnachten ist die Botschaft davon, dass es sich lohnt, sich ihm anzuvertrauen. Amen.   —   Liebe Männer—wir wissen, wie wertvoll unsere gläubigen Frauen sind—und wann wäre ein besserer Zeitpunkt dafür, sich daran zu erinnern als im Zusammenhang mit Maria?   11

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Dein Wille geschehe

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26 Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.

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31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.

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36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

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Gabriel = hebr. „Gott ist mein Held“

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