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Christliche Diätetik
Diätetik – die Lehre vom gesunden Leben, sie war schon ein Anliegen der alten, griechischen Ärzte. Sie sahen es als erste Aufgabe des Arztes an, dafür zu sorgen, dass Gesunde gesund bleiben. Die Heilung des Kranken war eine sekundäre Aufgabe.[1] [1] Anselm Grün „Gesundheit als geistliche Aufgabe“, Münsterschwarzach 1994/6, S. 37ff Vgl. China, Lampions
Bis ins hohe Mittelalter - wohl bis in die vorwissenschaftliche Zeit hinein – konnte die Diätetik ein Bereich der christlichen Unterweisung sein. Die heute wieder berühmt gewordene Hildegard von Bingen[1] ist ein anschauliches Beispiel dafür. [1] z.B. „causae et curae“, deutsch: Heilwissen, Pattloch-Verlag, Augsburg 1989
Auch in späteren Jahrhunderten ist das Anliegen nie ganz verloren gegangen. Johann Anselm Steiger gab zum Beispiel ein Buch heraus mit dem Titel: „Melancholie, Diätetik und Trost. Konzepte der Melancholie-Therapie im 16. und 17. Jahrhundert.“ [1] [1] Manutius Verlag Heidelberg, 1995
Spurgeons „Ratschläge für Prediger“[2] gehören auch in diesen Zusammenhang oder Wilhelm Stählins „Vom Sinn des Leibes“[3]. Reinhard Deichgräbers[4] Bücher sind ebenfalls reich an diätetischen Winken. [2] Hier verwendet: 1975 im Oncken-Verlag (Wuppertal) erschienene Ausgabe [3] Hier verwendet: Die 4. erweiterte Auflage von 1968, Christliche Verlagsanstalt Konstanz [4] z.B. „Von der Zeit, die mir gehört“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1992/4
Schwierigkeit in der Kirchengeschichte Aufs Ganze gesehen sind jedoch im Laufe der Kirchengeschichte verschiedene Dinge schief gelaufen: Zum einen hat sich die christliche Gemeinde - als Folge der Aufklärung - das Recht absprechen lassen, bei diesen Themen mitzureden. Glaube und Verstand/Wissenschaft wurden auseinandergerissen. Anstatt die Tatsache der Offenbarung Gottes zu bekennen und zu seinem Herrschaftsanspruch über alle Bereiche des menschlichen Lebens zu stehen, hat sich die Gemeinde Jesu immer mehr abdrängen lassen. Der Leib und die Gesundheit wurden weitgehend den Ärzten und später auch den Psychologen überlassen. Dasselbe geschah mit all den andern Bereichen: Kunst, Bildung, Politik, usw.
Verlorenes Land zurückgewinnen
Nur noch „Seelenheil“? Die christliche Unterweisung hat sich zurückgezogen auf den Bereich des „Seelenheils“. Sie hat das Zeugnis von der biblischen Offenbarung für alle Bereiche menschlichen Lebens und den Herrschaftsanspruch des drei-einigen Gottes über all diese Gebiete preisgegeben. (Wer dieses Thema vertiefen möchte, gehe in die Schule bei Francis Schaeffer![1]) [1] Besonders seine Titel: „Preisgabe der Vernunft“, „Gott ist keine Illusion“, „…und er schweigt nicht“
Der Rückzug auf den Bereich „Seelenheil“ hat zu einer eingeengten Sicht auf den Menschen geführt: Der Mensch wurde nur noch als Sünder, als krank und erlösungsbedürftig angesprochen. Gesunde, geschöpfliche Seiten wurden am Sünder weder erwartet, gesehen, noch gewürdigt oder gar gefördert (aus einer christlichen Motivation!). Auch hier wieder eine Vergeistigung und Entleiblichung des Glaubens, eine Verflüchtigung der geschöpflich-leibhaftigen Existenz des Menschen: „Du bist verloren. Du hast ein gravierendes, menschlich-unlösbares Problem und ich will dir jetzt zeigen, wie sehr dir Jesus darin helfen kann.“
Der Schwerpunkt muß natürlich immer auf dem, was Jesus selbst gesagt, hat bleiben: Jesus ist und bleibt in erster Linie der „Arzt … gekommen [um] Sünder zu rufen“ Matthäus 9:12 Aber die schöpfungsmässigen Aspekte auf die Gesundheit auch des körperlichen Menschen dürfen und sollen trotzdem mit eingebaut werden.
Weil der Auftrag des Seelsorgers und Verkündigers derart verkürzt wurde, führte dies zur Vernachlässigung der Botschaft für die Gesunden. Ein immenses Potential biblisch - präventiver Hilfestellungen wurde weder gesucht, noch erarbeitet oder gelehrt.
Evolutionstheorie Das Aufkommen der Evolutionstheorie hat sich – vorbereitet durch oben geschilderte Entwicklungen – ebenfalls verheerend ausgewirkt in der Gemeinde Jesu. Dies zeigte sich bei vielen nicht unbedingt so, dass sie aufhörten von Gott als Schöpfer zu reden. Nein. Aber man begann den Schöpfungsbericht –wenn überhaupt - als religiöse Wahrheit zu lesen und nicht mehr als Aufschluss über die Wirklichkeit, in der wir heute leben.
Man hat nicht aufgehört, vom Schöpfer zu reden, doch lebt da ein ständiges Misstrauen, ob’s denn wirklich so gewesen sei. (Nicht nur im Blick auf die Schöpfung setzte sich diese gespaltene Denkweise durch, sondern gegenüber der gesamten geschichtlich-leiblichen Seite der Bibel.)
Vergeistigt Das in seinem Ursprung biblisch-historische Judentum/Christentum wurde vergeistigt. Unser Glaube wurde so an der Wurzel entleiblicht oder anders herum formuliert: Der Leib wurde entglaubt - die Schöpfung wurde zur Natur. Die Heilsgeschichte wurde zur säkularen Geschichte. Der Leib wurde zum Körper. Natur, Geschichte und Körper stehen stehen darum für viele nicht mehr – wirklich! - in Beziehung zum Schöpfer. Natur, Geschichte und Körper zeugen nicht mehr vom Schöpfer.
Zwei Fallen bieten sich hier an: Die erste besteht darin, dass die Gemeinde Jesu – aus einem grossen Vakuum heraus – all diese Angebote unkritisch übernimmt.
Die andere Falle ist genau so fatal: Sie zeigt sich überall dort, wo die christliche Gemeinde mit undifferenzierter Abwehr reagiert und damit das Vakuum weiter vergrössert. Der Weg der Überwindung kann nur darin bestehen, dass wir uns ganz neu erinnern an die uns gegebenen Schätze, dass wir uns durch all die Angebote fragen lassen nach unserer eigenen Berufung.
wie sich der schlafende Jona fragen lassen musste: „Was ist dein Gewerbe und wo kommst du her? Welches ist dein Land, und von welchem Volk bist du? Er sprach: Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, welcher das Meer und das Trockene gemacht hat. Da gerieten die Männer in grosse Furcht und sprachen: Warum hast du das getan? Denn die Männer wussten, dass er vor dem Angesicht des Herrn floh.“[1] [1] Jona 1: 8-10
Warum habt ihr das getan? Warum habt ihr uns solche Schätze nicht gehoben? Warum schlaft ihr, anstatt euren prophetischen Auftrag wahrzunehmen? Warum kommt ihr nicht nach Ninive? Eigentlich ist es in unserem Zusammenhang noch schlimmer als bei Jona. Wir weigern uns nicht bloss, einen Auftrag auszuführen. Wir achten das Wort für uns selbst gering. Wir lassen uns nicht mehr sagen vom Schöpfer, wie er unser menschliches Leben gemeint hat. Ganz zu schweigen davon, dass wir diese Dinge lehren.
Nun kommen alle diesen Themen von aussen her wieder in die Gemeinden zurück in Form von mannigfaltigen Therapie- und Fitnessangeboten. Jetzt geschieht so etwas wie eine umgekehrte Mission: die Preisgabe des biblisch-umfassenden Lehrauftrages der Gemeinde Jesu führt zu einer Missionierung der Christen mit vielfältigen säkularen und humanistischen Konzepten. Die Esoterik verleiht dem Ganzen den religiösen Touch.
Mit einem Wort: Es geht darum, Verlorenes Land zurückzugewinnen
Historischer Rückblick: Die alten Diätetiker
Licht und Luft Zu 1. „Licht und Luft“ ein Zitat von Spurgeon[1]: „Wer das Summen der Bienen im Heidekraut, das Girren der Tauben im Wald, den Gesang der Vögel, das Rauschen des Bächleins, das Seufzen des Windes in den Fichten vergisst, darf sich nicht wundern, wenn sein Herz den Gesang verlernt und seine Seele düster wird. Ein Tag an der frischen Gebirgsluft, ein paar Stunden im Waldesschatten würde vielen Geplagten, die nur noch halb lebendig sind, die Spinnweben aus dem Gehirn fegen. Ein kräftiger Schluck Seeluft oder ein tüchtiger Spaziergang im Wind füllt zwar nicht die Seele mit Gnade, aber doch den Körper mit Sauerstoff, was das nächstbeste ist. Das Farnkraut und die Kaninchen, die Bäche und die Forellen, die Primeln und Feilchen, der Bauernhof, das frische Heu – all das ist die beste Arznei für den Hypochonder, das sicherste Stärkungsmittel für den Schwachen, die beste Erfrischung für den Müden. Aus Mangel an Gelegenheit und Neigung versäumt es der Gelehrte, diese Heilmittel zu gebrauchen, und hilft so selbst seinen Körper ruinieren.“ [1] aaO. S. 82
Speise und Trank Speise: In späterem Abschnitt
Trank
F. Batmanghelidj
Bewegung und Ruhe
Bewegung verschrieben wie Psychopharmaka (wirkt gegen Depressionen)
Bewegung wirkt wie ein Psychopharmakum Ersetzt bzw. erniedrigt die Dosis von Antidepressiva Beispiel: Psychiater mit Klientem auf Laufband (Zeitschrift liegt auf)
Schlafen und Wachen
Schlafzyklen
Grundsätze Melatonin: Dunkel im Zimmer! Licht direkt nach Aufstehen Genügend Wasser trinken!
Grundsätze 2l Wasser / Tag Mässig bei Diuretika wie Kaffee + Alkohol
Zu 3. „Bewegung und Ruhe“ aus einem Brief von Luther an den Fürsten Joachim von Anhalt[1]: „Gnade und Friede in Christus! Durchlauchtiger Fürst, gnädiger Herr! Mir hat Magister Nicolaus Hausmann angezeigt, wie E(uer) F(ürstliche) G(naden) etwas schwach gewesen sind, aber doch nun, Gott Lob, wiederum zu Pass worden. Mir fället aber oftmals ein, wie E.F.G. ganzer Stamm fast ein eingezogen, still, löblich Wesen geführet, dass ich zuweilen denke, es möchte wohl auch die Melancholia und das schwere Gemüt oft Ursach sein zu solchen Schwachheiten. Darum wollte ich E.F.G., als einen jungen Mann, lieber vermahnen, immer fröhlich zu sein, zu reiten, zu jagen und anderer guter Gesellschaft sich zu fleissigen, die sich göttlich und ehrlich mit E.F.G. freuen können. Denn es ist doch ja die Einsamkeit oder Schwermut allen Menschen eitel Gift und Tod, sonderlich einem jungen Menschen. So hat auch Gott geboten, dass man solle fröhlich vor ihm sein … Es glaubt niemand, was Schaden es tut, einem jungen Menschen Freude wehren und zur Einsamkeit oder Schwermut weisen. [1] Steiger, S. 17-19
E.F.G. haben den Magister Nicolaus Hausmann und andere mehr, mit denen seien Sie fröhlich. Denn Freude und guter Mut (in Ehren und Züchten) ist die beste Arznei eines jungen Menschen, ja aller Menschen.
Luther: Ich, der ich mein Leben mit Trauren und Sauersehen habe zugebracht, suche jetzund und nehme Freude an, wo ich kann. Ist doch jetzt, Gottlob, so viel Erkenntnis, dass wir mit gutem Gewissen können fröhlich sein und mit Danksagung seiner Gaben brauchen, dazu er sie geschaffen und Wohlgefallen daran hat ...
E.F.G. seien nur immer fröhlich, beides inwendig in Christus selbst und auswendig in seinen Gaben und Gütern; er will’s so haben, ist darum da, und gibt darum uns seine Güter, sie zu gebrauchen, dass wir sollen fröhlich sein und ihn loben, lieben und danken immer und ewiglich. Schwermut und Melancholia wird das Alter und andere Sache selbst wohl überflüssig bringen. Christus sorget für uns und will uns nicht lassen. Dem befehl ich E.F.G. ewiglich, Amen. Am Pfingstabend zu Wittenberg im 1534. E.F.G. williger D. Martinus Luther.“
Zu „Das rechte Mass“ eine Begriffsklärung von Friso Melzer[1]: „Wer das innere Mass verliert, der wird masslos oder unmässig, der wird vermessen. Er wird unfrei: er verfällt dem Muss, dem Müssen, also erzwungener Tätigkeit; auch die Freizeit wird sinnlos: er ist müssig, geht müssig (Sprichwort: Müssiggang ist aller Laster Anfang.). Wer aber das innere Mass hat, der erfährt den Segen der Musse. [1] in „Das Wort in den Wörtern“, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1965, Artikel „Musse“, S. 275, 276
Musse setzt Freizeit (von Arbeit freie Zeit) voraus, unterscheidet sich aber von ihr dadurch, dass sie nicht mehr auf Arbeit bezogen ist. Musse macht den Menschen offen für das Höhere, was keinem irdischen Zweck mehr untersteht; macht damit letztlich frei für die Begegnung mit Gott im Gebet. Musse gibt einen Vorgeschmack des göttlichen Friedens und lebt bereits wesentlich aus ihm. Musse ist die Voraussetzung für das Staunen, dieses wieder für die Anbetung.“
Versuch, diätetische Anliegen biblisch einzuordnen:
Wir sind noch nicht am Ziel. Das klingt in diesem Schaubild bereits an. Die Bibel schliesst uns noch viel mehr auf. Sie führt uns zu Jesus Christus und lehrt die Erlösung des Leibes: „Wir dagegen sind Bürger des Himmels, und vom Himmel her erwarten wir auch unseren Retter, Jesus Christus, den Herrn. Er wird unseren unvollkommenen Körper umwandeln und wird ihn seinem eigenen Körper gleichmachen, der Gottes Herrlichkeit widerspiegelt. Er hat die Macht dazu, genauso, wie er auch die Macht hat, das ganze Universum seiner Herrschaft zu unterstellen.“[1] [1] Philipper 3:20,21
Praktische Anweisung „Ist jemand von euch krank, der lasse die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen; und sie sollen über ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. So bekennet den einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet.“[1] [1] Jakobus 5:14-16
by wusternberg | Added: 11 months ago
Language: German (Detected) | Topic: Education
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