1. Hoheslied, Judentum und Gnosis

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„In der westlichen Welt haben wir bis vor ein paar Jahren von einer ‚sexuellen Revolution’ gesprochen. Aber ehrlich gesagt: ich bin nicht der Meinung, dass die eigentliche Revolution schon stattgefunden hat. Grösstenteils sind wir noch immer damit beschäftigt, gegen eine repressive, verklemmte Vergangenheit zu rebellieren. Ich bezweifle, dass das den Namen ‚Revolution’ verdient. In der Vergangenheit wurden die Christen in fast allen Kirchen von einer Unzahl von Verboten eingeengt. Verbote sind nicht sonderlich hilfreich und lehrreich. Deswegen versuchen wir jetzt, uns alles Mögliche zu erlauben. Aber das kann nur ein Anfang sein. Wir müssen nicht nur wissen, dass wir als Menschen Wesen mit einem geistbeseelten Körper sind, sondern wir brauchen auch Zeit, um zu reflektieren, was diese Tatsache eigentlich bedeutet und welchen tieferen Sinn sie hat. Wir müssen lernen, Lebensmuster und Todesmuster auseinanderzuhalten. Ich fürchte, dass viele Menschen in Tuchfühlung mit dem Tod existieren und noch nicht den Durchbruch zum Leben geschafft haben.“[1] [1] Richard Rohr, „Der nackte Gott“, Claudius, München 1992/7, S. 111

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Judentum und Gnosis Christentum zwischen Leibfeindlichkeit und Körperkult

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Leiblichkeit/Sexualität im Judentum: Hoheslied “Ich bin dunkel und schön, oh Töchter von Jerusalem…"

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„Ich suchte ihn, aber ich konnte ihn nicht finden. Ich rief ihn, aber er gab mir keine Antwort.“

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Interpretation Hoheslied - später Notes on Song of Solomon From the Original 1599 Geneva Bible Notes Song 1:2 1:2 Let {a} him kiss me with the kisses of his mouth: for thy love [is] better than wine. (a) This is spoken in the person of the Church, or of the faithful soul inflamed with the desire of Christ, whom she loves. Song 1:3 1:3 Because of the {b} savour of thy good ointments thy name [is as] ointment poured forth, therefore do the {c} virgins love thee. (b) The feeling of your great benefits. (c) They that are pure in heart and conversation. Song 1:4 1:4 {d} Draw me, we will run after thee: the king hath brought me into his {e} chambers: we will be glad and rejoice in thee, we will remember thy love more than wine: the upright love thee. (d) The faithful confess that they cannot come to Christ, unless they are drawn. (e) Meaning the secret joy that is not known to the world.  

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Interpretation Hoheslied Song 1:7 1,7 «Erzähle mir, du, den meine Seele liebt, wo weidest du? Wo läßt du lagern am Mittag ? Wozu denn sollte ich wie eine Verschleierte sein bei den Herden deiner Gefährten ?» (n) The spouse feeling her fault flees to her husband only for comfort. (o) Whom you have called to the dignity of pastors, and they set forth their own dreams instead of your doctrine. Song 1:8 8 «Wenn du es nicht weißt, du Schönste unter den Frauen, so geh hinaus den Spuren der Herde nach und weide deine Zicklein bei den Wohnstätten der Hirten!» (p) Christ speaks to his Church, bidding them that are ignorant to go to the pastors to learn.

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Würdevoll

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Gnosis Leib als Kerker der Seele Geist gut, Materie böse  „Dualismus“

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Demiurg Schöpfer des AT sei böse Marcionit: Wäscht sich mit Speichel Den Leib überwinden als Gefängnis „Aufstieg“ durch Geheimlehren Dualistisch: Geist gut, Materie böse

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Zwei paradoxe Folgen! Libertinismus Asketismus Gemeinsame Wurzel: „Was dem Leib passiert, ist nicht wichtig!“

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Das gnostische Paradox „Wahre Gnostiker dürfen den Geist dem Geiste und das Fleisch dem Fleische darbringen. Man nennt dies Libertinismus. Hier übertriebene Abtötung des Fleisches – dort Schwelgen in Fleischeslust, weil man sich ohnehin über solche Niederungen frei und erhaben fühlt: Zwei verfeindete Geschwister? Das eine kann ins andere umschlagen.“[1] [1] Armin Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte I, Hänssler, Neuhausen/Stuttgart, 1995, S. 91 (Beachte den ganzen Zusammenhang, S. 82ff: „Der gnostische Grossangriff“)

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Ausgleich nötig zwischen Polen Richard Rohr: Erst Ausgleich zwischen beiden Polen bringt gesunde Prägung „Nicht sicher, daß die eigentliche Revolution schon stattgefunden hat“

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Rohr: Die wirkliche Revolution fehlt noch „In der westlichen Welt haben wir bis vor ein paar Jahren von einer ‚sexuellen Revolution’ gesprochen. Aber ehrlich gesagt: ich bin nicht der Meinung, dass die eigentliche Revolution schon stattgefunden hat. Grösstenteils sind wir noch immer damit beschäftigt, gegen eine repressive, verklemmte Vergangenheit zu rebellieren. Ich bezweifle, dass das den Namen ‚Revolution’ verdient. In der Vergangenheit wurden die Christen in fast allen Kirchen von einer Unzahl von Verboten eingeengt. Verbote sind nicht sonderlich hilfreich und lehrreich. Deswegen versuchen wir jetzt, uns alles Mögliche zu erlauben. Aber das kann nur ein Anfang sein. Wir müssen nicht nur wissen, dass wir als Menschen Wesen mit einem geistbeseelten Körper sind, sondern wir brauchen auch Zeit, um zu reflektieren, was diese Tatsache eigentlich bedeutet und welchen tieferen Sinn sie hat. Wir müssen lernen, Lebensmuster und Todesmuster auseinanderzuhalten. Ich fürchte, dass viele Menschen in Tuchfühlung mit dem Tod existieren und noch nicht den Durchbruch zum Leben geschafft haben.“[1] [1] Richard Rohr, „Der nackte Gott“, Claudius, München 1992/7, S. 111

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Mit anderen Worten: Balance! Libertinismus Asketismus Gemeinsame Wurzel: „Was dem Leib passiert, ist nicht wichtig!“ Ausgleich

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Verleugnung des biblischen Menschenbildes Mensch nur Geist Leib unwichtig Geheimlehren entscheidend

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Abtrennung vom Judentum „Durch die von den sog. Kirchenvätern bewusste und entschiedene Abtrennung vom Judentum wurde die urchristliche Gemeinde gleichsam aus ihrem Mutterboden herausgerissen. Die Konsequenzen dieses ungeheuerlichen Vorgangs schon am Anfang der Geschichte des Christentums sind bis in die Gegenwart noch gar nicht hinreichend bedacht worden.“[1] [1] Georg Huntemann, in „Biblisches Ethos im Zeitalter der Moralrevolution“ Hänssler, Neuhausen/Stuttgart, 1995, S. 172

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Lehre der Gnosis Die Lehrentfaltungen der Gnosis lassen sich aus einem dualistischen Grundmuster ableiten: Gott ist reiner Geist. Die materielle Welt ist dämonische Gegenschöpfung. Der Geist des Menschen ist gefangen im Kerker des Körpers und der Sinnlichkeit. Das Eigentliche am Menschen ist sein Geist. Der menschliche Geist ist Bestandteil der himmlischen Licht- und Geisteswelt. Das Ziel der Erlösung ist die Befreiung des Geistes aus dem Kerker des Geistes. Der Geist muss an die übersinnliche Lichtwelt zurückgegeben werden. Die Förderung des Geistes geschieht durch Teilnahme an kultischen Feiern.

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Lehre für uns Nicht nur negativ moralisch urteilen (negative Auswüche bekämpfen) Sondern: Dem Leib seine Würde zurückgeben Nur so werden wir bewahrt davor, ungesunder Askese oder einem ausschweifenden Lebensstil zu huldigen – oder vom einen Extrem ins andere zu fallen.

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Schatten der Gnostik bis 20. Jh. Die Schatten gnostischer Irrwege reichen bis ins zwanzigste Jahrhundert. Noch in den 60er Jahren meinte ein katholischer Sexualethiker (Michael Müller)[1], dass das Empfinden der Geschlechtslust Sünde sei, und wer die Sünde fühle sündige „lässlich“, wer sich ihr aber mit Wohlgefallen hingebe, der begehe eine Todsünde, und die Sünde der Eltern beim Geschlechtsakt sei der Grund für die Erbsünde des Kindes. [1] Huntemann, S. 433

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Nicht nur bei Katholiken! Denken wir nicht, das seien nur katholische Irrwege: „So war es Zinzendorf, einem der Väter des Pietismus, doch sehr wichtig, dass die Ehepartner während des sexuellen Aktes trotz aller Lust eben doch vor allem an Christus zu denken hätten. Auf die religiöse Erotik Zinzendorfs, die sich in mancherlei Kuriositäten äusserte, soll hier nicht eingegangen werden – genauso wenig wie auf die Frage, ob manche Praktiken in Frömmigkeitsstrukturen des Pietismus nicht ihren Ursprung in einer sauer gewordenen Sinnlichkeit haben. Dass die Wollust des ehelichen Geschlechtsaktes auf ein Minimum reduziert wird, dass man sich dabei auch noch auf Christus konzentriere und so ins Ehebett steige, als ob man zum Abendmahl gehe, und dass die erste Kohabitation der Neuvermählten tunlichst in Gegenwart von Gemeindevertretern als Ehehelfern zu vollziehen sei – dieses Programm Zinzendorfs ist nicht als ‚Christifizierung’, sondern als pervers zu bezeichnen.“Diesem Urteil habe ich nichts beizufügen…

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Zurück zur Quelle Wiederentdeckung einer gesunden Theologie des Leibes muß einhergehen mit der Wiederentdeckung des älteren Testamentes, mit den jüdischen Wurzeln unseres Glaubens

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Zurück zur Quelle - Bonhoeffer Dazu Dietrich Bonhoeffer: Dietrich Bonhoeffer gehört zu den Pionieren unter den christlichen Theologen, die zu einer Rückkehr zu diesen Wurzeln aufrief: „Ich spüre übrigens immer mehr, wie alttestamentlich ich denke und empfinde; so habe ich in den vergangenen Monaten auch viel mehr A.T. als N.T. gelesen. Nur wenn man die Unaussprechlichkeit des Namens Gottes kennt, darf man auch einmal den Namen Jesus Christus aussprechen; nur wenn man das Leben und die Erde so liebt, dass mit ihr alles verloren geht und zu Ende zu sein scheint, darf man an die Auferstehung der Toten und eine neue Welt glauben; nur wenn man das Gesetz Gottes über sich gelten lässt, darf man wohl auch einmal von der Gnade sprechen, und nur wenn der Zorn und die Rache Gottes über seine Feinde als gültige Wirklichkeiten stehen bleiben, kann von Vergebung und von Feindesliebe etwas unser Herz berühren. Wer zu schnell und zu direkt neutestamentlich sein und empfinden will, ist m.E. kein Christ.“[1] [1] in „Widerstand und Ergebung“, Chr. Kaiser Verlag, München, 1970, S. 175,176

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Sex und Rabbiner Als Kostprobe eine witzige Episode aus der Rabbinerausbildung, wie sie uns im Talmud (!) überliefert wird: „Rav Kahane lag unter dem Bett des Rav (seines Lehrers), während der mit seiner Frau herumtobte und sich mit ihr in lockeren Worten über sexuelle Themen unterhielt. Danach schlief er mit ihr. Nachher sagte Rav Kahana zu dem Rav: ‚Du bist mir vorgekommen wie ein Hungriger, der niemals zuvor Sex gehabt hat, denn in deiner Begierlichkeit zeigst du ein frivoles Verhalten.’ Rav sagte zu Kahane: ‚Bist du hier? Heraus mit dir! Es geziemt sich nicht, dass du unter meinem Bette liegst.’ Kahane sagte zu ihm: ‚Es geht um eine Angelegenheit der Thora, und ich muss sie studieren.’- Die Zärtlichkeit und liebende Zuneigung, in der ein Mann ausschliesslich mit seiner Frau intim ist, ist in der Tat heilig in sich.“[1] [1] Zitat aus Shmuley Boteach, „Koscherer Sex“, Herder spektrum, Freiburg 2003, S. 62f

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Leiblichkeit ist mehr als Sexualität Aber: Die Leibfeindlichkeit in der Kirchengeschichte hat sich meistens an diesem Thema festgemacht „Unser Dorf zählt 2000 Seelen” „Spiritualen“ (kath.) – „Seelsorger“ (evang.) Englisch dagegen: Somebody or nobody – that’s the question

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Ganz modern! („Geheimlehren“)

Tags: bible

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